Unser Konzept
Mit dem Beginn der industriellen Revolution brachte das 19. Jahrhundert allen
Musikinstrumenten eine Vielfalt radikaler Neuerungen, von denen die Familie der Blechblasinstrumente am
stärksten betroffen war. Die Anwendung präziser Ingenieurskunst befähigte die alten Naturinstrumente Horn und
Trompete, sich der Posaune in der Liga der vollchromatischen Instrumente anzuschließen. Die Erfindung des
Ventils sollte die Blechbläsertechnik revolutionieren und den Instrumenten eine völlig neue Welt melodischer
Möglichkeiten eröffnen. Moderne Instrumente waren nun in der Lage, sich vermittels ihrer erweiterten melodischen
und stilistischen Fähigkeiten mit Holzblasinstrumenten und Streichern zu messen.
Indessen ist ein Großteil des Vermächtnisses, das uns diese frühen Pioniere des Blechs interlassen haben, verloren
gegangen. Die Anforderungen, die an den modernen Orchestermusiker gestellt werden, erfordern heutzutage
größere, klangvollere Instrumente. Die moderne Trompete, die heutige Posaune sind weiter mensuriert als ihre
Vorfahren, und die Klangfarbe, die Komponisten wie Berlioz, Mendelssohn und Gounod so sehr schätzten, ist mit
modernen Instrumenten nicht zu reproduzieren. Heutige Solobläser werden vor allem für die Quantität ihres Klanges
gerühmt, während Berlioz die Eleganz und Beweglichkeit der Kornett Technik eines Jean-Baptiste Arban schätzte,
nicht die Fähigkeit, am lautesten aus dem Orchesterklang hervorzustechen.
Der Schritt hin zu kürzeren, weiter mensurierten Blechblasinstrumenten hat dazu beigetragen, dem Orchester
größere Akkuratesse und Brillianz zu verleihen, die vielen Orchesterwerken zuträglich sind, aber ist es nicht ebenso
wichtig, den Versuch der Treue gegenüber dem originalen Konzept zu wagen? Wäre dies nicht ein faszinierendes
und wertvolles Experiment?
Die selbstgestellte Aufgabe von Passion des Cuivres ist daher, Musik dieser Zeit mit größtmöglicher Achtung vor
ihrer Aufführungspraxis zu spielen. Die ausgewählten Instrumente sind 2 Kornette französischer, britischer und
deutscher Provenienz, Horn in F, engmensurierte Posaune und Ophicleide. Wir hoffen, in naher Zukunft weitere
Klappeninstrumente hinzufügen zu können um der Ophicleide Gesellschaft zu leisten, die derzeit das einzige
Mitglied des Quintetts ist, das über Klappen verfügt.
Ensemblemitglieder:
Entstehungsgeschichte von "Passion des Cuivres"
Die Idee des Ensembles "Passion des Cuivres" wurde 2003 geboren, als sich Erhard Schwartz und Steffen Launer
durch ihre Orchesterarbeit kennen lernten. Erhard Schwartz spielte in Konzerten und Opernaufführungen wie
Wagners "Holländer" gelegentlich die Ophicleide. Von deren Klang begeistert, wuchs auf beiden Seiten das
Interesse, die Musik der Romantik auf den Instrumenten der Zeit zu spielen um die klanglichen Ideen der
Komponisten besser kennenzulernen.
Wir entschieden uns für die klassische Quintettbesetzung, aber mit zwei Kornetten
statt der Trompeten, einem F-Horn statt einem Doppelhorn, einer engmensurierten Posaune und einer Ophicleide
statt der Tuba, auch mit der Absicht die 12 einzigartigen Quintette von Jean-François-Victor Bellon (1795-1869)
aufführen zu können. Eine solche kammermusikalische Durchsichtigkeit ist mit gegenwärtigem Instrumentarium
weniger möglich, verbinden sich doch mit modernen Blechblasinstrumenten eher dominate, übertönende
Klangausbrüche, im Orchesterverband etwa bei einer Sinfonie Beethovens, Bruckners oder Mahlers.
Durch "Passion des Cuivres" wird ein spannender Teil der Musikgeschichte wieder mit Leben erfüllt- mit Musikern
aus Berlin, Dresden und London, mit Kollegen also, die mit gleicher Begeisterung diese Idee umsetzen. Nach einer
längeren Vorbereitungsphase fand das erste große Konzert im August 2004 in der Nähe von Dresden statt. Durch
die überwältigende Resonanz bei diesem und weiteren Konzerten sowie durch den „Nikolaus-Harnoncourt“ -Preis
für 2005 / 2006 fühlt sich "Passion des Cuivres" in ihrem musikalischen Konzept bestätigt.